Donnerstag, 16. Dezember 2010

Unveil im Interview!



Die Schweizer Vegan Straight Edge Band Unveil weiß mit ihrem politischen 90´s Hardcore à la Trial und Morning Again zu überzeugen. Das Erscheinen ihrer neuesten 7“ Hypnopaedia veranlasste uns dazu, mehr über Unveil und ihr Wirken in Erfahrung zu bringen.

Interview: Bör

Fotos: Gian Ehrenzeller

Das komplette Interview erscheint in der Printausgabe. Ab dem 3. Janaur dann am Start!

UtopiaNow: Hallo, wir hoffen es geht euch gut!?! Stellt uns eure Band bitte kurz vor. Wie seid ihr dazu gekommen, Unveil ins Leben zu rufen und was hat sich seit dem für euch als Band aber auch als Individuen verändert?

Johann: Hi, ich bin Johann und spiele bei Unveil Gitarre. Wir kennen uns schon ewig und sind schon immer dicke Freunde. Alle hatten schon frühere Bands, bei denen aber nie alle Mitglieder die Band gleich ernst genommen haben. Mit Unveil ist es uns allen ernst. Wir möchten so viel Zeit und Energie wie möglich dafür aufwenden. Seit dem ersten Tag war klar, dass wir eine deutliche Message vertreten möchten. Verändert hat sich nicht sehr viel. Man lernt sehr viele neue Leute kennen, hat die Möglichkeit an verschiedensten Orten Konzerte zu spielen und Erfahrungen zu sammeln.

UtopiaNow: Euer Bandname Unveil bedeutet übersetzt aufdecken, enthüllen, offen legen. Was wolltet ihr mit eurem Namen ausdrücken bzw. was wollt ihr aufdecken?

Johann:
Es läuft viel schlecht auf der Welt. Und auch wenn es schon tausend Mal gesagt wurde, es ist so einfach die unangenehmen Sachen zu ignorieren und schön zu reden. Dabei legen wir einen Schwerpunkt auf Tierrechte, unsere Konsumgesellschaft und ihre Auswirkungen, etc. Mit klarer Message und direkten Texten sind wir einfach eine weitere Band, die diese Dinge den Leuten mit Musik näher zu bringen versucht.

UtopianNow: Könnt ihr uns etwas über die Schweizer Hardcore/Punk Szene und eure lokale Szene in Grabs erzählen?

Johann: Haha, also in Grabs gibts keine lokale Szene. Das ist ein 7000 Seelen Dorf, da hat es gar nichts. Ob es in der Schweiz eine „Szene“ gibt, darüber kann man sich streiten. Es ist alles sehr überblickbar. Dieselbe Hand voll Leute die man immer an Konzerten trifft.

UtopiaNow: Wenn ich an Schweizer Hardcore/Punk denke, fallen mir spontan neben Unveil die leider aufgelöste Band Solid Ground und Animal Instinct ein. Welche Schweizer Bands könntet ihr uns noch nahe legen?

Johann: Solid Ground waren super. Es gibt schon ein Paar gute Bands in der Schweiz. Seed of Pain, Beggars & Gentry, Deadverse, Über You, Life As War, Archers’n’Arrows, Keep It Back fallen mir grad spontan ein. Fall Apart waren auch gut, leider auch vorbei. Ach ja, El Camino Car Crash und Within Walls, ist zwar Österreich, aber gleich über die Grenze, auch ne Erwähnung wert!

UtopiaNow: Wie seid ihr zu Hardcore gekommen und welche Bands haben euch musikalisch wie auch textlich inspiriert?

Johann: Zu Hardcore sind wir alle durch Punk Rock gekommen. Skaten und Punk hören. Da wir allesamt lausige Skater waren gings dann mehr in Richtung Musik, haha.
Als Band haben uns musikalisch sowie auch textlich hauptsächlich 90er Jahre Hardcorebands wie Unbroken, Earth Crisis, Trail, 108 und Konsorten beeinflusst.

UtopiaNow: Hardcore is more than music! Was bedeutet Hardcore/Punk für euch und wie steht ihr zu dem Thema d.i.y.?

Johann: Hardcore/Punk bedeutet für uns genau das, was wir mit unserer Band versuchen zu repräsentieren. Es ist nicht einfach nur harte Musik. Es ist eine Zuflucht um vor dem ätzenden Alltag zu entfliehen, um seinen Frust, seine Wut über die Welt rauszulassen. Es soll dazu dienen Meinungen auszutauschen, von einander zu lernen. D.I.Y. ist ein wichtiger Teil von Hardcore/Punk. Jeder kann Musik machen, Konzerte organisieren, Fanzines schreiben und Platten rausbringen. Das ist das was Hardcore am Leben erhält. Man braucht seine Energie nicht um reich zu werden, sondern um die Musik und die Szene am Leben zu erhalten.

(...)

UtopiaNow: Was wollt ihr mit eurer Musik bzw. euren Texten bewirken?

Johann: Die Menschen die unsere Musik hören, sollen auch die Texte dazu lesen und sich darüber Gedanken machen. Wir wollen nicht predigen, sondern inspirieren. In unserer Musik steckt viel Energie, viele Gefühle, ich hoffe einfach dass man das als Zuhörer bemerkt und auch fühlt.

(...)
UtopiaNow: Was bedeuten für euch Straight Edge und Veganismus? Seht ihr Straight Edge beispielsweise als etwas rein Individuelles oder eher als Bewegung an?

Johann: Zwei komplett verschiedene Paar Schuhe. Straight Edge ist was ganz individuelles. Es macht für mich keinen Unterschied ob jemand anders trinkt oder nicht, geht mich auch nichts an. Veganismus ist etwas, was sich ruhig verbreiten darf. Es ist nicht für mich selbst, sondern für die Tiere und die Umwelt. Umso mehr Leute vegan oder vegetarisch leben, umso mehr boykottiert man die Industrie. Dass Straight Edge oftmals zu vegetarismus und veganismus führt, finde ich eine logische Konsequenz. Bei wem das nicht so ist, der sollte sich vielleicht mal fragen wozu er Straight Edge ist. In meinen Augen, das kann man ja auch anders sehen, sollte Straight Edge der erste Schritt gegen den Strom der Gesellschaft sein. Dieser erste Schritt sollte dann dazu führen dass man sich über mehr Dinge Gedanken macht die einem nicht passen und an denen man auch nicht Teil haben will. Wenn der nüchterne Kopf nicht mal dazu kommt, die offensichtlichsten Dinge zu sehen und abzulehnen, dann hat es wohl auch nicht wirklich was gebracht.

(...)




UtopiaNow: Wo habt ihr bis jetzt live spielen können und wo hat es euch am besten gefallen? Welche Länder würdet ihr gerne mal als Band besuchen? Nehmt ihr euch vor bzw. nach den Konzerten Zeit, die besuchten Städte näher kennen zu lernen oder gestaltet sich das oftmals schwierig?


Johann: Also wir konnten 2 Mal auf eine kleine Europa Tour gehen, von England bis Rumänien. Viele Orte an denen es uns gefallen hat. England ist nicht zu empfehlen, aber im Osten ist immer etwas los, Slovakei zum Beispiel war super. Eine US-Tour fänd ich sicher mal ganz stark.

Leider hat man immer viel zu wenig Zeit, die Städte zu sehen. Man ist im Club, pennt irgendwo und am nächsten Morgen gehts schon wieder weiter. Wenn wir die Möglichkeit haben, schauen wir uns die Stadt natürlich so gut wie möglich an. Oder wenn man einen Offday schön planen kann ist das auch schön.


UtopiaNow: Sexismus/Heterosexismus ist ein immer wieder auftretendes Übel auf Konzerten. Wie sollte Mensch bzw. die Szene selbst eurer Meinung nach am besten mit der Intoleranz und dem Hass umgehen? Stehen die Bands in der Verantwortung, selbst Stellung zu beziehen?


Johann: Jeder sollte klar Stellung dazu beziehen, Bands sowieso. Es muss klar gezeigt werden, dass Sexismus, genauso wie Rassismus und ähnliches, an einer Hardcoreshow nicht willkommen ist. Dabei rufe ich keineswegs zu Gewalt auf, sondern zu verbaler Konfrontation.

Euer Song „Snowlion“ (Destruction wherever I go 7“) behandelt das Thema der Missachtung der Menschenrechte in China sowie die Unterdrückung Tibets durch die Volksrepublik China. Könnt ihr uns mehr zu dieser oftmals vernachlässigten Thematik erzählen?

(...)

Christian (Gesang):
Die tibetische Kultur wurde in China ausgelöscht und es starben 1.6 Millionen Menschen bei der „Volksbefreiung“ Tibets. Der Text gibt einen Denkanstoss und dann kann sich der Hörer/Leser informieren und eine Meinung bilden, so ist das gedacht. Damit will ich vielleicht auch genrell ein wenig aufrütteln. Wenn Europäer über Genozid reden, kommt der Holocaust zur Sprache. Er wird in der Schule behandelt und in den Medien wird ständig daran erinnert. Finde ich auch gut so. Wir sollten nur nicht vergessen, dass Genozide, egal wo, eine schlimme Sache sind, ob in China/Tibet, Afrika, Deutschland oder wo auch immer.

UtpopiaNow:
Wie steht ihr generell Religionen gegenüber? Ist Religion eine persönliche Lebenshilfe oder einfach nur eine weitere Form der Gedanken-Kontrolle bzw. der Unterdrückung, wie es beispielsweise der tibetanische Buddhismus in Bezug auf Frauen, die als niedere Sexualobjekte angesehen werden, verdeutlicht?

Man muss dabei immer zwischen Spiritualität und Religion unterscheiden. Eine gewisse Spiritualität, ganz individuell, würde vielen Leuten gut tun. Leider ist da der Grat zur Religion ziemlich schmal. Die Welt legt so viele offene Fragen dar, Fragen ohne Antworten. Selbstverständlich sucht man Antworten was nach dem Tod ist, was der Sinn des Lebens ist, etc, aber diese Antworten dann einfach von irgendwem übernehmen? Die Köpfe einer organisierten Religion haben viel zu viel Macht und die Geschichte hat uns oft genug gezeigt, wohin dass das führt. Es wurde zur Waffe, Leute werden im eigenen Interesse manipuliert. Gott ist eine Idee, nichts weiter.



(...)

UtopiaNow: Was können wir in Zukunft von Unveil erwarten? Gibt es Pläne für ein Album und Konzerte/Touren?

Johann: Im Januar gehen wir auf eine einwöchige Minitour durch Europa. Ansonsten schreiben wir Songs für unser erstes Album und spielen Shows.
Vielen Dank für das Interview.

UtopiaNow: Letzte Worte?

Johann: Ich bedanke mich für dieses interessante Interview. Checkt unser Myspace, sowie auch alle Bands die ich in der Schweizerband-Frage genannt habe. Go Vegan
www.myspace.com/xunveilx

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