Mittwoch, 4. Mai 2011

Glasses und Trainwreck... Marc im Interview



Marc ist für den Sound von Bands mitverantwortlich, die ich sehr schätze namentlich sind das Glasses, Trainwreck und die Eaves. Unterschiedliche Bands mit je ganz eigenem Sound. Schon seit einigen Jahren laufen wir uns bei Konzerten über den Weg. Zeit für das gute alte Frage-Antwort-Spiel.

UtopiaNow: Hallo Marc, wie geht’s?

Marc: Hey! Jo, soweit ganz gut. Viel zu tun und immer unterwegs ;-)

UtopiaNow: Ihr bringt bald mit Trainwreck eine neue Platte raus. In welche Richtung wird es gehen und werdet ihr auch eine größere Tour spielen?

Marc: Ja, wir sind gerade dabei, die letzten Feinheiten herauszuarbeiten und werden dann im Mai ins Studio gehen. Wir haben versucht, noch ein paar neue Elemente mit in die Musik zu nehmen. Das ganze klingt teils rauer, teils melodischer als vorher. Außerdem haben wir uns diesmal mehr Mühe bei der Songstruktur gegeben. Ich selber bin sehr zufrieden mit dem Material. Leider wird es vorerst nichts mit großen Touren, da mittlerweile alle zeitlich sehr eingeschränkt sind. Wir werden aber versuchen, wieder mehr zu spielen. 2011 wird's jedoch relativ ruhig.

UtopiaNow: Wie ist die Japan-Tour gelaufen und wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass ihr dort spielen konntet?

Marc: Die Tour lief wirklich sehr gut. Es war auch mit das Aufregendste, das ich bandtechnisch gemacht habe. 
Das Ganze kam 2009 zustande, als Glasses und Trainwreck zusammen unterwegs waren. Wir bekamen kurz vorher eine Email, in der uns jemand aus Japan schrieb, dass er plane extra für 3 Shows von uns nach Europa zu kommen. Das hatten wir nicht so wirklich ernst genommen, aber Matsu kam dann tatsächlich auf die Shows und fragte uns danach, ob wir in Japan touren wollen und ob er unsere Discography CD rausbringen könne. Da haben wir natürlich sofort zugesagt. Das war schon sehr lange ein Traum von uns... Naja, und ein Jahr später waren wir dann da. Matsu ist wirklich ein unheimlich engagierter Typ, der sehr sehr viel Herzblut in die Sache steckt. Das wurde uns drüben auch immer wieder von Leuten gesagt bzw. er hat es uns gezeigt.

UtopiaNow: Was waren die größten Unterschiede zu europäischen Shows und was hat dir dort besonders gut gefallen?

Marc: Ich könnte jetzt einen Roman schreiben, aber werde mich auf das wesentlich beschränken. Ich war ja vorher 3 Wochen in den USA mit Glasses und danach in Europa unterwegs. Dementsprechend hatte ich 2010 ein ganz gutes Bild von allem. Japan ist verrückt. Für mich war es ein bisschen so wie in den Filmen. Laut, bunt, aber auch schön, mysteriös, absurd. Die Menschen sind sehr zurückhaltend und höflich, selbst wenn sie jemanden nicht mögen. Das könnte man jetzt als heuchlerisch bezeichnen. Aber ich fand diesen respektvollen Umgang sehr angenehm. Auf der anderen Seite ist es schwierig, wenn man in einer Sprache wie Japanisch versucht, das Wort "Nein" zu vermeiden. Dementsprechend kann es schon mal schwierig werden, wenn man eine klare und direkte Antwort auf eine einfache Frage bekommen will.
Die Shows waren alle sehr professionell organisiert und durchgeplant. Soundmenschen haben immer einen richtig guten Job gemacht. Hier beschwerden die sich ja schon mal gern wegen Lautstärken ;-) Man hat nur sein Instrument dabei, denn die Läden haben immer alles andere da, was man braucht. Auch in Top-Qualität. Es war eigentlich alles super, nur dass die Leute nicht so gut Englisch sprechen. Deswegen konnten wir auch nicht so viel erfahren, wie wir eigentlich wollten. Das war echt schade. Die Nachtfahrten waren auch nicht ohne, da man in Japan nur sehr langsam fährt. Ich würde jedenfalls gerne wieder hin!

(...)

UtopiaNow: Wie sieht es denn mit dem AZ in Aachen aus? Gibt es da noch eine aktive Konzergruppe?

Marc: Du meinst so etwas wie wir damals mit Eaves und Crystallake Shows hatten? Eigentlich nicht mehr in dem Sinne. Es gibt jede Menge neue Leute, die dort Shows machen. Allerdings nicht unter einem speziellen Namen. Ich selber mache auch noch gelegentlich Shows, wenn es die Zeit zulässt. Dadurch, dass ich die ganze Zeit unterwegs bin, kann ich auch in dem Laden nicht mehr so viel machen. Schade eigentlich, aber es gibt ja jede Menge andere Leute, die das jetzt machen. Das war nicht immer so. :D

UtopiaNow: Du hast ja mit den Eaves schon einen gewissen Sound etabliert. Engrave, die Eaves und auch Atrox haben einen chaotischen Sound gemacht, der zu der Zeit nicht gerade üblich war. Kannst du die Aachener Musiklandschaft zu dem Zeitpunkt mal beschreiben, als diese drei Bands aktiv waren?

Marc: Oh, haben wir das? Vielen Dank. Eigentlich gab es ja viele Vorbilder, an denen wir uns damals orientiert hatten, nur hatten sich die ganzen anderen Bands schon aufgelöst. In der Zeit um 1999-2004 war ja das Screamo (2000 ;-) ) -Ding ganz groß, in dessen Dunstkreis wir uns immer bewegt haben. Auch wenn es musikalisch nicht so ganz gepasst hat. Für Eaves lief es in dem Umfeld jedoch immer ganz gut. Leider hatten Engrave nie so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie sie eigentlich verdient hätten. Bzw. sie waren meiner Meinung nach oft in der falschen Ecke unterwegs. Atrox kamen ja aus Mainz und in der Zeit, in der die Split rauskam, haben die eh nicht mehr so viel gespielt und sich schon bald aufgelöst. Es war jedenfalls alles sehr neu und aufregend für uns, und viele der Leute, die damals aktiv waren, sind irgendwie komplett von der Bildfläche verschwunden.

(...)

UtopiaNow: Gibt es Probleme mit Leuten aus der rechten Szene auf Hardcore-Shows. Andreas vom Sinners und Saints hat sich da mal drüber beschwert, dass bei Hardcore-Shows kaum (noch) Leute da wären, die was dagegen unternehmen würden.

Marc: Etwas polemisierend muss ich hier schon sagen, dass ich glaube, dass es ein bisschen darauf ankommt, auf welche Hardcore-Shows und in welchen Laden man geht. In vielen Szenen scheint das ja nicht so ernst gesehen zu werden. Da ist die Musik (ohne Inhalt), das Abgehen und die Mode wichtiger. Tatsächlich gibt es hier jede Menge Nazis, die sich auch frei in der Stadt bewegen. Das war früher so nicht möglich. Es gibt aber auch viele Leute, die was dagegen unternehmen. Nur könnten/sollten es viel mehr sein. Im AZ fliegen Nazis auf jeden Fall sofort raus, wenn sie auftauchen sollten bzw. wenn sie erkannt werden. Da gibt’s kein langes Fackeln.

UtopiaNow: Jetzt mit Glasses sieht man euch bei den Konzerten wirklich an, dass ihr Spaß an euerer Musik habt. Ich meine, das ist nicht selbstverständlich, dass eine Band die Freude daran so nach Außen trägt. Ich habe das Gefühl, dass es im Hardcore-Punk teilweise eine Grundhaltung nach dem Motto.. Spaß und Freude bedeuten, sich einverstanden erklären mit dem Status Quo...deswegen müssen kritische Ansagen, und böse bzw. verzweifelte Mienen her. Vor diesem Hintergrund was fasziniert euch heute noch an Hardcore / Punk? Warum steigt ihr immer noch in einen kleinen Van und reist um die Welt?

Marc: Also wir alle machen das, weil es natürlich für uns ein großer Teil unserer Selbstverwirklichung ist. Zum Lachen gehen wir nicht in den Keller und können trotzdem todesernst sein. Das muss man ja nun irgendwie vereinen können. Deswegen funktioniert Glasses bis jetzt auch so gut. Wir haben tatsächlich viel Spaß, auch wenn es sehr anstrengend sein kann. Wir kommen von überall her (Aachen, Berlin, Göttingen, Leipzig) und müssen für eine Show teilweise ganz schön viel Aufwand betreiben. Spaß ist schon ein wichtiger Motor. Ich fände es eher seltsam, wenn man da keinen Spaß hätte oder wenn man sich verstellt, so wir bei manchen Metal- oder Crust-Kappellen. Leute, die sich selbst zu ernst nehmen und/oder nicht über sich lachen können, sind mir suspekt. Mich fasziniert nach wie vor dieses Klassenfahrt-Ding am Touren. Also das Rumreisen in einer Gruppe für längere Zeit. Das habe ich als Kind schon gern gemacht und war nach der Schule traurig, dass es das evtl. nicht mehr geben wird. Außerdem trifft man immer wieder neue coole Leute/Bands und kommt an Ort, an die man sonst nie kommen würde. Das kann natürlich positiv oder auch negativ sein, aber unterm Strich hat es sich bis jetzt immer gelohnt.

(...)

UtopiaNow: Welche Platten begeistern dich zur Zeit? Deine aktuellen Top 5 bitte:


Marc: Gut, dass es die aktuelle ist ;-) Die Top 5 ever wäre schwierig... In den letzten Wochen habe ich das hier viel gehört:

- Tyran Tyran - Demo CD 2011
- Young Adults - Black Hole LP
- Tom Waits - frank's wild years LP
- Thin Lizzy - Johnny The Fox LP
- Cheap Girls/ Lemuria Split 7"


UtopiaNow: Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Abschließend die alles entscheidende Frage: Da du ohnehin ständig in Leipzig bist: Wann ziehst du her ;)?

Marc: Hahaha....da warten mehrere drauf. Ich arbeite dran! Die Jobsituation muss stimmen, damit ich all das hier weiter so machen kann.

Das komplette Interview gibt es in der zweiten Ausgabe des UtopiaNow Zines!


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