Samstag, 1. Oktober 2011

Hornbrille auf und Los! Marc von Trainwreck und Glasses im Interview



Marc war Gitarrist bei den Eaves aus Aachen, die mich mit ihrem brachialen und doch melodisch/melancholischen HC Anfang der 2000er (haha..damals) sehr begeistert haben. Mit Glasses und Trainwreck ist Marc nun in zwei HC/Punk Bands unterwegs, die sich ebenfalls einem eigenständigen Sound und konsequenter d.i.y. Haltung verschrieben haben.
Vor kurzem erschien ausserdem die neue Trainwreck LP "if there's light it will find you". Nachdem Marc von der Japan Tour zurückgekehrt war beantwortete er mir im April 2011 meine Fragen zur neuen Platte, zum hoffentlich noch nicht in Vergessenheit geratenen Westside Unity Fest in Aachen und den Einflüssen der Eaves. Los geht's!


Trainwreck und Glasses sind momentan zusammen auf Tour, also unbedingt anschauen, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt!



UtopiaNowZine: Hallo Marc, wie geht’s?

Marc: Hey! Jo, soweit ganz gut. Viel zu tun und immer unterwegs ;-)

UtopiaNowZine:Ihr bringt bald mit Trainwreck eine neue Platte raus. In welche Richtung wird es gehen?

Marc: Ja, wir sind gerade dabei, die letzten Feinheiten herauszuarbeiten und werden dann im Mai ins Studio gehen. Wir haben versucht, noch ein paar neue Elemente mit in die Musik zu nehmen. Das ganze klingt teils rauer, teils melodischer als vorher. Außerdem haben wir uns diesmal mehr Mühe bei der Songstruktur gegeben.

UtopiaNowZine: Wie ist die Japan-Tour gelaufen und wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass ihr dort spielen konntet?

Marc: Die Tour lief wirklich sehr gut. Es war auch mit das Aufregendste, das ich bandtechnisch gemacht habe.
Das ganze kam 2009 zustande, als Glasses und Trainwreck zusammen unterwegs waren. Wir bekamen kurz vorher eine Email, in der uns jemand aus Japan schrieb, dass er plane extra für 3 Shows von uns nach Europa zu kommen. Das hatten wir nicht so wirklich ernst genommen, aber Matsu kam dann tatsächlich auf die Shows und fragte uns danach, ob wir in Japan touren wollen und ob er unsere Discography CD rausbringen könne. Da haben wir natürlich sofort zugesagt. Das war schon sehr lange ein Traum von uns... Naja, und ein Jahr später waren wir dann da. Matsu ist wirklich ein unheimlich engagierter Typ, der sehr sehr viel Herzblut in die Sache steckt. Das wurde uns drüben auch immer wieder von Leuten gesagt bzw. er hat es uns gezeigt.

UtopiaNowZine: Wie sieht es denn mit dem AZ in Aachen aus? Gibt es da noch eine aktive Konzergruppe?

Marc: Du meinst so etwas wie wir damals mit Eaves und Crystallake Shows hatten? Eigentlich nicht mehr in dem Sinne. Es gibt jede Menge neue Leute, die dort Shows machen. Allerdings nicht unter einem speziellen Namen. Ich selber mache auch noch gelegentlich Shows, wenn es die Zeit zulässt. Dadurch, dass ich die ganze Zeit unterwegs bin, kann ich auch in dem Laden nicht mehr so viel machen. Schade eigentlich, aber es gibt ja jede Menge andere Leute, die das jetzt machen. Das war nicht immer so. :D

UtopiaNowZine: Du hast ja mit den Eaves schon einen gewissen Sound etabliert. Engrave, die Eaves und auch Atrox haben einen chaotischen Sound gemacht, der zu der Zeit nicht gerade üblich war. Kannst du die Aachener Musiklandschaft zu dem Zeitpunkt mal beschreiben, als diese drei Bands aktiv waren?

Marc: Oh, haben wir das? Vielen Dank. Eigentlich gab es ja viele Vorbilder, an denen wir uns damals orientiert hatten, nur hatten sich die ganzen anderen Bands schon aufgelöst. In der Zeit um 1999-2004 war ja das Screamo (2000 ;-) ) - Ding ganz groß, in dessen Dunstkreis wir uns immer bewegt haben. Auch wenn es musikalisch nicht so ganz gepasst hat. Für Eaves lief es in dem Umfeld jedoch immer ganz gut.
Leider hatten Engrave nie so viel Aufmerksamkeit bekommen, wie sie eigentlich verdient hätten. Bzw. sie waren meiner Meinung nach oft in der falschen Ecke unterwegs. Atrox kamen ja aus Mainz und in der Zeit, in der die Split rauskam, haben die eh nicht mehr so viel gespielt und sich schon bald aufgelöst. Es war jedenfalls alles sehr neu und aufregend für uns, und viele der Leute, die damals aktiv waren, sind irgendwie komplett von der Bildfläche verschwunden.

UtopiaNowZine: Es gab das Westside Unity Festival bei dem richtig gute internationale Bands, z. B. Good Clean Fun und auch sehr gute Bands aus der Aachener Region wie eben Engrave, Eaves, For the Day oder Luca Brasi gespielt haben und Leute aus ganz Deutschland, Holland und Belgien angereist sind. Da waren ganz unterschiedliche Stilrichtungen vertreten und alle kamen zumindest an diesem einen Abend gut miteinander aus hatte ich das Gefühl. Wie hat sich die, na sagen wir mal, d. i. y. Szene in Aachen seitdem entwickelt? In welchen Läden gibt es regelmäßig Konzerte?


Marc: Natürlich ist das alles ein bisschen idealisiert dargestellt, aber so ähnlich lief das schon. Man durfte halt nicht zu stark nachfragen, was Leute über dieses und jenes Thema dachten. Da hätten sich schon krasse Differenzen gezeigt. Ist aber meiner Meinung nach auf jeder Show überall der Fall. Alle kamen jedenfalls gut miteinander klar. Das ist heute auch leider in der Form nicht mehr möglich, da alle ihr eigenes Ding machen. Ich habe die Problematik ja oben schon geschildert. Viele Leute haben den Kontakt verloren, nachdem das AZ zugemacht wurde. Eine Zeit lang haben wir dann in Bars Shows gemacht, aber das war irgendwie nicht dasselbe. Daraus haben sich dann lauter Subszenen geformt. Die DIY Szene hatte es danach bis zur Wiedereröffnung des AZ unter Auflagen natürlich sehr schwer, aber in manchen Fällen finde ich es auch gut, weil das AZ durch diese Veränderung im Nachhinein ein bisschen politischer geworden ist. Trotzdem vermisse ich es, dass es heute nicht mehr so einfach geht wie früher. Da konnte man ein großes Konzert mit mehreren 100 Leuten und einer großen Band machen und im Vorprogramm DIY Bands spielen lassen, die dann vor mehr Publikum spielen konnten und bekannter wurden bzw. ihre Sicht der Dinge vor einem großen Publikum kundtun konnten. So bin ich ja auch zu der Musik gekommen. Quasi von oben nach unten durchgearbeitet ;-)

UtopiaNowZine: Jetzt mit Glasses sieht man euch bei den Konzerten wirklich an, dass ihr Spaß an euerer Musik habt. Ich meine, das ist nicht selbstverständlich, dass eine Band die Freude daran so nach Außen trägt. Ich habe das Gefühl, dass es im Hardcore-Punk teilweise eine Grundhaltung nach dem Motto.. Spaß und Freude bedeuten, sich einverstanden erklären mit dem Status Quo...deswegen müssen kritische Ansagen, und böse bzw. verzweifelte Mienen her. Vor diesem Hintergrund was fasziniert euch heute noch an Hardcore / Punk? Warum steigt ihr immer noch in einen kleinen Van und reist um die Welt?

Marc: Also wir alle machen das, weil es natürlich für uns ein großer Teil unserer Selbstverwirklichung ist. Zum Lachen gehen wir nicht in den Keller und können trotzdem todesernst sein. Das muss man ja nun irgendwie vereinen können. Deswegen funktioniert Glasses bis jetzt auch so gut. Wir haben tatsächlich viel Spaß, auch wenn es sehr anstrengend sein kann. Wir kommen von überall her (Aachen, Berlin, Göttingen, Leipzig) und müssen für eine Show teilweise ganz schön viel Aufwand betreiben. Spaß ist schon ein wichtiger Motor. Ich fände es eher seltsam, wenn man da keinen Spaß hätte oder wenn man sich verstellt, so wir bei manchen Metal- oder Crust-Kappellen. Leute, die sich selbst zu ernst nehmen und/oder nicht über sich lachen können, sind mir suspekt.
Mich fasziniert nach wie vor dieses Klassenfahrt-Ding am Touren. Also das Rumreisen in einer Gruppe für längere Zeit. Das habe ich als Kind schon gern gemacht und war nach der Schule traurig, dass es das evtl. nicht mehr geben wird. Außerdem trifft man immer wieder neue coole Leute/Bands und kommt an Ort, an die man sonst nie kommen würde. Das kann natürlich positiv oder auch negativ sein, aber unterm Strich hat es sich bis jetzt immer gelohnt.


Das komplette Interview gibt es in der zweiten Ausgabe des UtopianNow Zines im Dezember!

Fotos: Glasses / Face The Show: Burkhard Müller

1 Kommentar:

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